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Die Anfänge des Skilaufs in Oberstdorf

Bereits in den Anfangszeiten des Wintersports begeisterte der damalige Lehrer Anton Henkel die Oberstdorfer Jugend für das damals noch junge Skilaufen. Damit gehört dieser weitsichtige Schulmann zu den Pionieren der Entwicklung Oberstdorfs zum bedeutenden Wintersportort.

Die skisportliche Grundausstattung bestand in jener Zeit neben der meist mit bescheidenen Mitteln geschneiderten winterlichen Alltagskleidung nur aus Strümpfen und Wollhand- schuhen von der Mutter selbst gestrickt. Die Skier musste sich jeder selbst aus alten Hölzern zunächst schnitzen und dann die Spitzen in kochendem Wasser aufbiegen. Um das Eindringen von Schneewasser in die Laufflächen der aus rohem Holz gefertigten „Bretter“ zu verhindern, beträufelte man die Laufflächen mit dem Wachs von Kerzenstummeln, das dann mit einem Korken verrieben oder mit einem heißen Eisen aufgebügelt wurde. Als Bindung mussten meist ausgediente Kälberstricke herhalten, mit denen die Skifahrer diese selbstgemachten Bretter an ihren normalen Winterschuhen festzurrten.

Mancher betagte Oberstdorfer erinnert sich noch gut an erste Fahrversuche als frischgebackener Skiläufer in der „Oberen Ösch“, an dem kleinen Hang unterhalb des „Haldenhuisle“. Hier hatte sich seit Generationen die Oberstdorfer Jugend im Winter bei gutem Wetter zum Rodeln getroffen. Aber das änderte sich unter dem Einfluss des legendären Oberstdorfer Lehrers Henkel. Denn bald wurde dieser in der Nähe der alten Mühle unterhalb der „Hoffmansruhe“ gelegene Schauplatz auch der Treffpunkt für junge Skiläufer. Auch einer der ersten „Abfahrtsläufe“, den der Lehrer Henkel organisierte, fand dort statt.

Wer nicht Skifahren konnte, durfte die Strecke vom Startpunkt oberhalb des Moorweihers über den „langen Schuss“ zum Haldenhuisle hinab einfach mit dem Schlitten runterfahren.

„Die Startnummern haben wir aus Pappendeckel selbst gebastelt“ können sich noch heute einige der Schüler an ihre ersten Erlebnisse als „Abfahrtsläufer“ mit Schmunzeln erinnern.
Später verlagerten sich die Aktivitäten der jugendlichen Skifahrer auf die damals noch für die Heumahd genutzten Wiesenhänge zwischen der Wirtschaft „Bergkristall“ und der von der Familie Schedler als Stützpunkt für den aufstrebenden Skisport errichteten Hütte am „Karatsbichl“, berichten die damaligen Skilauf-Anfänger.

Schon bald organisierte der weitsichtige und an der Förderung des Skilaufs außerordentlich interessierte Lehrer Henkel für die Schüler Abfahrtsläufe mit Start an der Schrattenwangalpe oberhalb Schönblick zum Ziel beim „Wannebauer“, dem Anwesen neben der heutigen Talstation der Söllereckbahn. Als Preis winkte dem Sieger ein vom Bäcker Rudolf Kaiser gebackener, besonders großer und schöner Zopf.

Einmal habe er bei einem dieser Rennen ganz besonderes Pech gehabt, erinnert sich Fridl Müller: „Nicht nur, dass ich meine Handschuhe vergessen hatte, sondern auf halber Strecke beim Kruijers Kreuzle rissen auch noch die Stricke meiner Bindung. Inzwischen hatte ich aber derartige Eishände, dass ich mit meinen steifgefrorenen Fingern die Bindungen nicht wieder zusammenknoten konnte. Da blieb mir nichts anderes übrig, als unter dem Gelächter meiner Schulkameraden mit den Skiern unter Arm zu Fuß durchs Ziel zu laufen“. Aber trotz des Malheurs habe er als Trostpreis immerhin noch eine schöne Hartwurst bekommen und das war zur damaligen Zeit nicht zu verachten.

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